What tops my single-issuedness?

Die Illusion dessen dass nicht „single-issued“ zu sein automatisch bedeutet man denke echt umfassend. Es ist zwar ein guter Vorsatz, aber wenn man sich die Oevres derer anschaut, die angeblich mehr als nur „single-issued“ sind, wird einem doch schnell klar, dass man sich dort immernoch nur um einige Themen dreht. Wo zieht man also die Linie, was in den „mehr als ein issue“-Topf mit reinfällt? Maßgeblich scheinen hier die Lieblingsthemen der jeweiligen Gruppierungen zu sein, die immer noch in ein übergeordnetes Allgemeinkonzept mit hinenpassen ohne zu stören. Nicht single-issued sein heißt sich auf eine Kombination bestimmter Hauptschwerpunkte zu stützen, dann zu meinen man sei nicht engstirnig, aber tatsächlich bleibt vieles an wichtiger Thematik hier außen vor und neue Schwerpunktsetzungen werden auch nicht unbedingt erschlossen.

Wenn man sich gegen Rassimus einsetzt, dann zieht man eine Linie an der Stelle, an der man meint dass die Schwelle von einer zur nächsten „Rasse“ liegt. Ist es allein die Hautfarbe? oder ist es der ethnische Hintergrund? (Welcher Ansatz wird gewählt um den Rassismus zu analysieren.) Kann man alles überhaupt nur im Rahmen innenpolitischer Angelegenheiten lösen oder wer wagt hier den Sprung von Kontinent zu Kontinent von Nation zu Nation um die Dinge miteinander in Kontext zu setzen. Ok, die Linke tut das am engagiertesten, aber ihre Lösungsansätze sind halt einfach immer nur Links und Links ist irgendwie auch single-issue. Schafft man es zu merken, dass eine kulturell postglobal zusammengewachsene Welt sich nicht mehr in die Passform von Links oder Rechts einteilen lässt? Oder zieht man das sichere Terrain der Regression in alte politische Modelle vor um sich „mehr als nur single issue“ vergleichsweise zu klein Fritzchen vorzukommen aber ohne wirklich neu zu denken.

Neues Denken heißt keine Demarkationslinien zwischen den gesellschaftlichen Gruppen zu kreieren die individuelles Handeln sowieso blockieren. Was bringt es zu sagen: ich gehöre zu den Veganern, zu den Linken, zu den sowieso … wenn ich dadurch nur in der Gruppe etwas bin und nur als Mitglied einer Gruppe etwas bewegen kann. Wenn z.B. vegan zu sein heißt, dass ich mich irgendwie dazu zugehörig fühlen muss um selbst Sinn zu machen, dann muss sich derjenige den ich vielleicht durch meinen Veganismus zum Nachdenken und Handeln anrege bald auch als Gruppenzugehöriger fühlen und deklarieren. Und wenn man dann irgendwann mal zu an die 20 Bewegungen dazugehört, bin ist man mehr als 20-issued? Ich habe dann einen Klumpen von 20 issues, die ich aber weder in neue Kategorien überführen kann noch werde ich dazu geneigt sein nicht doch alles einer Hauptdenkrichtung (z.B. Links zu sein) unterzuordnen. Denn wenn es darum geht Lösungswege im politischen Sinne zu beschreiten, dann muss ich ja eine politische Philosophie bemühen um daraus ein sinnvolles Modell abzuleiten.

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2 Kommentare

  1. Ja-el

    Ich befasse mich mit verschiedenen Unterdrückungsformen: Rassismus, Sexismus und anderen gesellschaftlichen Katastrophen und ich fühle mich durch deinen Beitrag leicht angegriffen. Frau sollte sich mit Verschiedenem gleichzeitig auseinandersetzten und alle sozialen Missstände greifen ineinander. Liegt deine Kritik darin, dass man undifferenziert sein könnte, wenn man verschiedenen Problemen mit einem gleichen Lösungsansatz entgegentritt?

  2. derarchimedischepunkt

    Ja, weil es unterschiedliche Problemkomplexe sind mit denen frau es zu tun hat und man den einzelnen Fällen, zumindest in einer Konstellation der Gegenüberstellung von Rassimus (also einem intraspezifischen Problem) und Speziesismus (einer Frage die dem Mensch-Tier Kontinuum geschuldet ist), nicht gerecht werden kann. Und warum nicht? Weil man den konstruktiven Bezugsrahmen für Tierrechte noch nicht genügend entwickelt hat, sondern Einstellungen zu Tieren eigentlich intuitiv ausdrückt indem man vermeintlich empathieverstärkende Vergleiche unter den verschiedenen –ismen bemüht. (Dabei wird „das Tier“ aber fortgesetzt in ethische Wertesysteme eingebaut, die sich an einem homozentrischen Maßstab ausrichten.)

    Die meisten Veganer und Tierrechtler sind 1. zu apologetisch und 2. ihr Denken in bezug auf nichtmenschliche Tiere hat sich bislang nicht von einem biologischen Reduktionismus emanzipieren können.

    Außerdem: Man kann beispielsweise dem Neo-Nazismus nicht mit den gleichen Argumenten und Mitteln entgegentreten, wie man dem anthropozentrisch denkenden Mensch in der Debatte über eine Intergrität von Tieren innerhalb des Naturhaften entgegen treten könnte! Speziesismus und Rassismus kennzeichnen sich zwar beide durch Gewalt, doch der Rassismus-Komplex lässt sich eher über seine negative Soziologie entschlüsseln, während die Tierfrage und die damit angegliederte Problematik sich auf einer positiven und neu-erschlossenen Begrifflichkeit konstituieren muss.

    Man kann zwar sagen: Leute liebt alle Menschen und alle Tiere und seid nicht gewalttätig, das wäre aber in beiden Fällen weder angemessen noch effizient in Hinsicht auf die Erwirkung eines Besseren.

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