Getagged: the revolution of the individual

A „Vegan Republican Army“ then?

Es hat keinen Sinn, Veganer_innnen, die sich beschweren, dass man sie mit der RAF vergleicht. Warum tut man das? Liegt es an den Tierrechten selbst, daran, dass Tierrechtler_innen Tiere retten? Ist das wirklich der Grund? Könnte es nicht viel eher sein, dass die Tierrechtsbewegung sich über ihre eigenen politischen Argumente nicht hinreichend bewusst ist und daher activism und slogans verdammt an die 68 erinnern?

Einige von uns fordern Milde im Speziesismus, andere werfen die Theorien ihrer lieblings-TR-Professor_innen allesamt in einen Topf, auch wenn diese miteinander sehr ungünstige Wechselwirkungen haben, und wieder andere fühlen, dass es reicht, wenn sie ein paar gängige (und gerade kursierende) Slogans aus der Szene rezitieren.

Man könnte mir jetzt vorwerfen, dass ich ein_e Nestbeschmutzer_in bin. Bin ich aber nicht, weil dieses Nest ist nicht das, was es vorgibt zu sein. Tierrechte sind nicht so einfach, wie wir uns das vorstellen und sich auf unsere meistgelesenen Professor_innen zu verlassen hat sich bislang als eine undankbare Angelegenheit erwiesen: man denke an die Kontroversen um Peter Singer und seine Euthanasie-These, Melanie Joy und ihre Unsichtbarmachung des Speziesismus as a term (denn auch Haustiere leiden und werden nicht so einfach nur geliebt), den Personenkult, den Gary Francione betreibt und die Masse von Akademiker_innnen, die so langsam einen Elfenbeinturm aus den Tierrechten zusammenbauen; nicht zu vergessen Kymlicka, der die Tiere einbeschließt, nachdem er die Natur als politischen Raum ausbeschlossen hat.

Und die letzte Rettung, die Populisten, die sich an den Cultural Industrial Complext verkauft haben? Nein, das ist nicht mein Nest und es funktioniert nicht und ich kritisiere diese Bewegung, right! Das einzige, wie echte Radikalität – die es auch braucht – funktionieren kann, ist wenn jeder unbedingt seine eigene Thinking Cap anzieht, und, wenn statt bloßem Aktionismus und Parolenschwingen eine pluralistisch funktionierende Kultur der Tierrechte zustande kommen kann. Genau das kann aber nicht in einer „rudelhaften“ / hierarchischen Gruppe geschehen. Das braucht Individuen die mit Kreativität hier rangehen. Es braucht etwas mehr Freiheitsgeist als diese „Fraktion“ es hat.

Veganism is a prerequisite, yet veganism is not enough

Ist vegan sein erweiterbar mit … ?

In einem Blogeintrag vom April letzten Jahres schreibt die vegane feministische Bloggerin Vegina dass Veganismus nicht genug sei. Ihn ihrer Aussage finde ich eines meiner in letzer Zeit immer stärker werdenden Gefühle von zunehmender Unzulänglichkeit in der veganen Bewegung bestätigt. Aber wo genau die Kritik ansetzen? Sprich: Was sollte verbessert werden?

Ich bin, genau wie meine veganen Freund_Innen, endlos begeistert, dass der Veganismus im Trend liegt, dank all derer die ich vielleicht auch ein bisschen kritisieren möchte. Und es ist der helle Wahnsinn wie immer mehr Leute den Sprung wagen ins pflanzliche und umfassend pazifistische Grün einer veganen Lebenspraxis.

Dinge die im Trend liegen tragen aber ein Risiko, auf das Vegina aufmerksam macht, und der Veganismus sei zum „trendigen Unternehmen“ geworden. Obgleich das erstal eine wunderbare Sache sei, so hätten Trends aber die Eigenschaft, keine Sache von Ewigkeit zu sein. Der Veganismus als eine „Industrie“ berge außerdem die Gefahr, dass man die Ethik leicht aus dem Auge verlieren könne.

Wenn der Veganismus selbst zum Endziel würde, dann sind das Essen und der Lifestyle im Fokus, nicht aber die Tiere, sagt Vegina. Tiere seien unsichtbar im Hype um die besten veganen Rezepte, es gehe mehr um die vegane Eigenpamperung als um ein Leben und eine Ethik des Gerechtigkeitsdenkens. Der Veganismus als marktwirtschaftfliche Komponente laufe auch Gefahr mit seinen bekannten Marken dennoch nur am Rande mitzuexistieren, im Nebeneinander mit den Tierausbeutenden Industrien.

Das einfache, leckere konsumgerechte Leben dürfe, so meint Vegina, nicht das Endziel und der Mittelpunkt unserer Bemühungen sein. Das Engagement als Veganer_In könne nicht beim Essen anfangen und enden und andererseits hört man hingegen auch nicht auf Aktivist_In zu sein, weil es zu wenig Käsealternativen und schnelle Menus in der nächsten Fast-Food Kette gibt. Leute, die nur vegan werden weil es so einfach ist, bleiben mit aller Wahrscheinlichkeit nicht auf Dauer vegan und vor allen Dingen aber werden sich diese Leute auch nicht im Kampf um die Tierbefreiung mit engarieren.

Absurderweise ist im Jahr 2010 der Konsum von Fleisch in den USA gesunken, die Nachfrage aber gestiegen. Vegina argumentiert, dass uns als Veganer_Innen klar sein müsse, dass man die Gleichung: „als Veganer_In rettest Du Tierleben“ eher figurativ verstehen solle, symbolisch um Menschen zum Vegansein zu ermutigen, faktisch wir aber bei weitem nicht genug sind um bei der Nachfrage nach Tierprodukten ins Gewicht zu fallen. „Über neun Millionen Landlebenwesen werden für Nahrungsmittelzwecke (allein) in den USA jedes Jahr getötet. Dies ist ein Alarmzustand, es muss mehr getan werden, der Veganimsus allein ist nicht genug,“ so Vegina.

„There are still over nine billion land animals being killed for food every year in the US alone. This is a state of emergency; more needs to be done and veganism alone is clearly not doing it.“

Der Umstand allein nichts Tierisches zu konsumieren ist noch kein ausreichender Schritt der zur Tierbefreiung führt. Vegansein zeugt nur von dem was ich nicht tue, aber weiteres besagt das noch nicht:

„Wenn wir Tieren helfen wollen, dann müssen wir Unterdrückungsmechanismen in Frage stellen, Menschen dazu auffordern ihr Verhalten zu überdenken und unnachgiebig in unserem Streben nach Gerechtigkeit sein. Und dazu braucht es mehr als nur den Veganismus. Dazu brauchen wir eine Revolution. Und während unsere Entscheidung etwas (nicht) zu essen ein politisch starkes ethisches Bekenntnis ist, ist dies aber noch keine Revolution.“

„If we want to help animals we need to challenge oppression, force people to confront their behavior, and be unrelenting in our pursuit of justice. And this takes more than veganism. This takes a revolution and, while what we choose (not) to eat may be an empowering political and ethical statement, it is not a revolution.“

Vegan Greening

Ich habe schon lange nichts mehr auf diesem Blog geposted. Vielleicht schaffe ich es wieder anzufangen. In den letzten zwei Jahren hat sich in Sachen Veganismus ja so einiges getan. Meine älteren Blogeinträge spiegeln die Themen wieder, die im Jahr 2010 noch brandaktuell waren, in meinen Zirkeln zumindest.

Was jetzt vielmehr ein Thema scheint ist, ob der Veganismus sich zunehmend zum Konsumerismus entwickelt. Zu begrüßen ist, dass das Vegansein für immer mehr Menschen zur gelebten Realität wird. Es ist klar, dass in einem gewissen Rahmen die Wirtschsaftlichkeit einer Sache die „Dingbezogen“ ist (wie das beim Veganismus halt der Fall ist, denn es geht ja auch um Produkte und nicht nur um das ethische in der Theorie) Sinn macht. Aber, der „Run“ auf die gewinnbringende Vermarktung hat ein Übergewicht bekommen, so scheints.

Was kann man dagegen setzen, wenn man denn will?

Vegansein, wie manifestiert sich das in meinem Leben? Nicht durch ekzessiven Konsum, ich versuche meinen Konsum überhaupt soweit wie möglich einzuschränken. Vegansein heißt für mich auch die Mechanismen zu stoppen, die die Welt zur bloßen Ressource für Menschen macht, gemacht hat und das weiterhin machen will. (Ressource kann in dem Fall auch heißten, das man etwas inhaltlich oder ästhetisch „verkonsumiert“, statt es sinnvoll zu kontemplieren z.B.)

Vegansein heißt für mich primär über Wege nachzudenken, wie man sich als VeganerIn in die tägliche kleinpilotische Ebene in der Gesellschaft einbringen kann. Denn Kleine Taten auf der kleinen Ebene machen mit ein Ganzes aus. Nonkonformismus ist für mich zum (klein-)politischen Handeln ein Schlüsselbegriff. Wenn ich den Mut zum eigenen Individualismus habe, dann habe ich auch Mut mir eigene Meinungen zu bilden und nicht nur Slogans und überanstrengte Argumente und Theorien zu reproduzieren.

Hin- und her, ich blogge wieder, weil es mich ein wenig besorgt, dass der Veganismus, statt in all seinen pluralistischen Möglichkeiten genutzt zu werden, eher einen Vegankonformismus hervorgebracht hat. Wenn eine Gruppe oder Bewegung stark konformistisch ist, gibt es auch eher geschlossene „Oppositionsblöcke“ die im Gegenzug auftreten. Ich befürchte der Speziesismus verhärtet sich, wenn Veganismus nicht in alle Gewebe eindringen kann.

Wie Wasser, das das Grün einer Wiese benetzt und die Erde tränkt.

I am they key, I am the crisis

Ich habe lang nicht mehr geschrieben auf meinen Blog.

Vielleicht erscheinen mir viele Gedanken die ich hierher tragen könnte zu relativ, um sie hier festzuhalten. Was mich nun bewegt doch in die Tasten zu greifen, ist die Frage nach der eigenen Verantwortlichkeit.

Mir fällt nicht bloß bei vielen meiner Freunde, sondern auch bei vielen Leuten generell auf, dass sie die Schuld immer lieber anderen zuweisen möchten, als sich damit auseinanderzusetzen, in wie weit sie selbst zu genau den Problemen beitragen, unter denen sie sogar selbst zu leiden haben.

Warum gibt es diesen Blindspot zwischen mir und der Welt?

Zum einen sehen wir oft die Zusammenhänge zwischen Dingen nicht. Zum anderen suchen wir die Ursachen in den großen Problemkomplexen, die aber allein die Spitze der Eisberge sind.

Wenn ICH die Welt verändern will, dann fragt sich WIE kann ich das tun, worauf kommt es an, was hindert mich am freien Handeln und Sprechen (!) und was verursacht welche Misären.

Ich glaube so individuell unsere Veränderungsvorschläge sind, einfach weil wir alle verschieden sind, so individuell sind auch die Gründe dafür, warum wir uns als Menschen allesamt gegenseitig blockieren … , aber dieser Punkt fällt uns nur auf, wenn wir uns klar darüber werden, dass sich in Beziehung mit der Welt zu setzten, als das ideale Lösungsscenario unserer Probleme aus individuell philosophischer Sicht betrachtet, bedeutet, dass diese Welt nicht aus einer menschlichen Superart besteht, die auf alles die bessere (verbale) Antwort weiß. Solange wir an unseren Kollektiv-Egoismen und den damit verbundenen Illusionen, die zumeist destruktiver Natur sind, festhalten, scheint als zögen wir alle an den gleichen Strängen und Stricken der Hoffnung und als blockierten uns nur „die da oben“ oder eine der Gruppen priviligierter Menschen.

Im Prinzip sind wir eigentlich alle ziemlich arrogant. Und ich nehme an, die von uns, die die echte Revolution vollzogen haben, nämlich diese urtypisch menschliche Arroganz zu verlieren, sind wahrscheinlich irgendwie verhindert durch einen Wust von anderen Menschen und deren Worten, Aktivitäten und derer Ignoranz.

Das System unter dem wir heute zu leiden haben, sind wir selsbt. Aber kaum einer bessert sich, sondern jeder tut so, als wäre er oder sie es nicht selbst der da mitmacht. Dieses Problem ist nicht banal. Die zugrunde liegende Haltung jeder zerstörerischen Handlung geht vom Einzelnen selbst aus. Hinter welchem Pretext wir uns auch verbergen mögen – es liegt an uns, ob wir die GANZE WELT (also nicht nur die Superart, den Superhuman und Supermenschen, oder eine menschliche Supergruppe und deren Perspektiven) umarmen oder uns selbst zum Schluss geistig nur noch inzüchten wollen.